Cleophilus, F.: Octavius Cleophilus Phanensis poeta (...). - Basel, 1518

Autor  Cleophilus, Franciscus Octavius
Titel  [De coetu poetarum] Octavius Cleophilus Phanensis poeta venustissimus de coetu poetarum : cum marginariis adnotamentis
Impressum  Basileae : apud Ioannem Frobenium, mense Februario an. 1518
Umfang  30, [2] S. ; 21 cm
Notiz  Titeleinrahmung, Zierinitialen, Druckermarke
Titeleinrahmung von Urs Graf
Impressum aus Kolophon
Signaturen: A-D⁴
Mit einem Einleitungstext von Faustus Andrelinus
Druckort  Basel
Druckerei  Froben, Johannes (Offizin, Basel)
Weitere Urheber  Andrelini, Publio Fausto, 1462-1518
Bibliogr. Nachweis  VD16 C 4119
Signatur  DA III 12:7
Anm. zum Exemplar  Zusammengebunden mit 6 weiteren Drucken

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Kolophon (Bl. D4recto)

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Kommentar

(lco) Im Februar 1518 veröffentlichte Johann Froben einen Nachdruck der Dichtung De coetu poetarum des italienischen Dichters Francesco Ottavio (Cleophilus), die zum ersten Mal ca. 1483-85 in Rom von Eucharius Silber herausgegeben worden war.

Widmungsbrief des Andrelinus [1]

Der Basler Druck wird von einem kurzen, an den französischen Literat, Historiker und Diplomat Robert Gaguin gerichteten Widmungsbrief des italienischen, in Frankreich tätigen Humanisten Faustus Andrelinus eröffnet. Derselbe Widmungsbrief leitet die im Jahr 1503 von der Pariser Offizin des Jodocus Badius Ascensius herausgegebene Ausgabe der Dichtung De coetu poetarum des Cleophilus ein.

De coetu poetarum [2]

Im De coetu poetarum wird eine allegorische Reise ins Jenseits dargestellt. Die 346 elegische Distichen umfassende Dichtung erzählt, dass der Dichter – Protagonist der Reise – eines Nachts einschläft und auf dem von Phoebus und von Nymphen bewohnten Parnass aufwacht, nahe der Quelle Hippocrene, wo sich Pegasus und die neun Musen aufhalten (V. 1-22). Bald erblickt er den Tempel des Phoebus, in dem sich eine Vielzahl von Dichtern zum Gebet versammelt hat. An den Wänden werden die Gegner des Gottes dargestellt: Phyton, Amphion, Niobe und ihre Kinder sowie Marsyas (V. 23-54). Nach dem Gebet verlassen die Dichter den Tempel und treten in eine von den Naiaden bewohnte, für den Mythos des Pentheus bekannte Waldlichtung. Dort bleiben sie stehen, um sich zu unterhalten (V. 55-72). Cleophilus, der ihnen folgt, erkennt Homer und Vergil und fragt den lateinischen Dichter, wo er sich befindet (V. 73-94). Vergil erklärt ihm, dass diese Reise ins Jenseits eine symbolische Bedeutung hat, weil auch Cleophilus zur Vielzahl der Dichter gehöre, und krönt ihn mit dem Lorbeer. Dann fordert er Cleophilus auf, zu erzählen, was gegenwärtig auf der Welt passiert (V. 95-112). Nachdem Cleophilus ein Lob auf die Heldentaten antiker Heroen – er nennt Hannibal, Pompeius, Caesar, Augustus, Marius, Camillus, Torquatus sowie Fabius Maximus – gesungen hat, spricht er über seine Zeit. Er erzählt, dass das antike römische Reich in viele, kleine Länder unterteilt ist und erklärt, dass der Papst die bedeutendste politische Persönlichkeit ist (V. 113-234). Vergil, vom Bericht erschüttert, erinnert an die Vergänglichkeit der irdischen Dinge und prophezeit das Kommen einer neuen gens aurea, welche Frieden, Gerechtigkeit und den wahren Glauben in die Welt bringen wird. Dann fragt er Cleophilus, ob in der Gegenwart noch andere Dichter leben (V. 235-290). Sie seien sehr selten, antwortet ihm Cleophilus, wegen der sinnlosen Erfolgs- und Geldsucht (V. 291-320). Die Dichtung sei eine wertvolle Gabe, welche der Reichtum verderben kann, betont Vergil. Der lateinische Dichter erinnert an die grossen Entbehrungen, die er ertragen musste, als er jung war und preist seinen Förderer Maecenas (V. 321-346). Cleophilus behauptet, dass gegenwärtig die Dichtung vor allem in Rom und in Florenz gepflegt wird und stimmt ein Loblied auf Lorenzo de’ Medici an (V. 349-406). Das Gespräch wird vom Gesang des dem Phoebus geweihten Schwanes unterbrochen (V. 407-424). Dann fragt Cleophilus, ob ihm Vergil die Namen der in der Waldlichtung anwesenden Dichter nennen könne. Vergil zeigt ihm Homer, Lucan, Statius, Silius Italicus, Ovid, Claudianus, Aeschylus, Sophocles, Euripides, Pomponius, Accius, Varius, Pollio, Thespis, Pacuvius, Seneca, Rabirius, Lycophron, Germanicus, Serenus, Apollonius Rhodius, Antimachus, Pindar, Horaz, Stesichorus, Simonides, Alcaeus, Anacreon, Sappho, Ennius, Terenz, Plautus, Melissus, Nevius, Afranius, Statius, Menander, Stella, Macer, Tibull, Catull, Properz, Cornelius Gallus, Callimachus, Philitas, Aristophanes, Eupolis, Cratinus, Juvenalis, Persius, Gaius Lucilius, Martial, Valerius Flaccus, Musaeus, Orpheus, Hesiod, Lucrez, Aratus, Linus, Manilius, Albinovanus Pedo, Archilochus sowie Theocrit. Er behauptet aber, dass es unmöglich sei, alle zu nennen und erklärt, dass die mit dem Lorbeer und dem Efeu gekrönten Dichter der Verehrung des Phoebus und des Bacchus geweiht sind (V. 425-534). Cleophilus dankt Vergil für das Gespräch und fragt, ob er ihn aus dem Jenseits hinaus führen könne. Vergil verspricht, ihn auf den Weg, welchen zuvor Theseus, Hercules, Aeneas, Orpheus, Castor sowie Pollux zurückgelegt hatten, zu geleiten. Dann machen sie sich auf den Weg (V. 535-550). Während sie die elysischen Gefilde durchqueren, zeigt Vergil einige der Helden, die dort weilen: Er nennt Scipio Africanus, Laelius, Caesar, Corvinus, Manlius, Cossus, Marcellus, Decius, Papirius, Fabius, Cato, Curius, Fabricius, Serranus, Camillus, die zwei Brutus, Claudius Nero, Augustus, Romulus, Marcus, die beiden Scipionen, Pompeius, Hannibal, Pyrrhus sowie Alexander. Dann zeigt er ihm die berühmten Persönlichkeiten und nennt Aristoteles, Plato, Zeno, Demokrit, Socrates, Cicero sowie Demosthenes (V. 551-616). Der Höllenwind erhebt sich stark, als sie die Flüsse Acheron und Phlegeton sichten. Dort begegnen ihnen Pluto sowie die drei Furien Megaera, Tisiphone und Alecto. Unfern sehen sie Rhadamantus, Aeacus und Minos, welche die Menge der Sünder führen. Danach treffen sie auf Tantalus, Titius, Ixion sowie die Belides und begegnen den Geistern der Tyrannen, darunter Nero, Mezentius, Scyron, Tiberius, Sulla, Domitianus, Phalaris, Busiris sowie Diomedes (V. 617-650). Beim Fluss Styx begegnen sie Charon, welcher sie nach einer kurzen Diskussion mit Vergil ans andere Ufer übersetzt (V. 651-662). Dort trifft Cleophilus Cerberus, die Harpyen, die Gorgo, die Centauri, die Giganten Terrigenae, Briareus sowie die Personifikationen Luctus, Insania, Metus, Senecta, Dolor, Bellum, Supplicium, Amor, Fames, Infamia, Morbus, Libitina und Mors an (V. 663-682). In der Verabschiedung empfiehlt Vergil dem jungen Dichter, einem richtigen Lebensweg zu folgen sowie die Erzählung dieser Reise in Verse zu fassen (V. 683-692).

In der Dichtung De coetu poetarum wird die Kontinuität der poetischen Inspiration von der Antike bis zur Gegenwart allegorisch dargestellt. Das Ziel dieser symbolischen Erzählung wird in der Besprechung erklärt, in der Cleophilus von Vergil als poetaanerkannt und gekrönt wird. Der Kontext, in dem sich diese Szene entwickelt, ist literarisch sehr prägnant, weil sie auf einer bestimmten literarischen Quelle beruht: die Commedia Dante Alighieris. Am Anfang seiner allegorischen Reise ins Jenseits traf der Florentiner Dichter unter der Leitung von Vergil die Seelen der antiken griechischen und lateinischen Dichter an, welche sich zusammen mit den Helden der Vergangenheit im Limbus aufhalten (Inferno IV, 64-151). In De coetu poetarum wird diese Szene funktional umgeschrieben. Die moralisch-theologische Intention, welche die allegorische Reise Alighieris ins Jenseits klar bezeichnet, fehlt im Gedicht des Cleophilus. Die Hölle ist als eine Wunderwelt dargestellt, in der sich die Quelle der Dichtung befindet. Die zahlreichen mythologischen und historischen Persönlichkeiten, die sich an diesem Ort bewegen, vermitteln den Eindruck einer Galerie. Die Erinnerungen an die Commedia Alighieris (bzw. an das Inferno IV, aber auch an viele andere Stellen dieses Werkes) sowie an weitere literarische Vorbilder (bzw. an die Triumphi und die Epistolae de rebus familiaribus Francesco Petrarcas sowie an die Aeneis Vergils) sind zahlreich.

Im 16. Jahrhundert kennt das Gedicht De coetu poetarum eine ziemlich grosse Verbreitung. Nach der in Rom veröffentlichen editio princepswird es in verschiedenen, in ganz Europa erschienenen Nachdrucken herausgegeben.

Weitere Werke im Sammelband

Der Sammelband vereinigt sieben Drucke poetischen Inhalts, alle zwischen 1500 und 1522 erschienen (s. DA III 12:1, DA III 12:2, DA III 12:3, DA III 12:4, DA III 12:5, DA III 12:6).

Weitere Exemplare des beschriebenen Drucks in der UB Basel

DA IV 13:1

Weiterführende Literatur

L’Europe des Humanistes (XIVe-XVIIe siècle), hrsg. von Jean-François Maillard, Judit Kecskeméti und Monique Portalier. Paris [und Turnhout], 1995

Cosenza, Mario Emilio: Biographical and bibliographical dictionary of the Italian humanists and of the world of classical scholarship in Italy, 1300-1800. 2nd ed. Boston, 1962-67

Renaudet, Augustin: Préréforme et humanisme à Paris pendant les premières guerres d’Italie (1494-1517). 2ième éd., 1953

Titel und Incipits

[1] Widmungsbrief des Andrelinus [zum Text]

Faustus Gaguino suo S.P.D.
Incipit: Perlegi nuper mi Gaguine libellum Octavii Cleophili

[2] De coetu poetarum [zum Text]

Octavii Cleophili Phanensis poetae venustissimi, libellus de coetu poetarum
Incipit: Nox erat, et pleno lucebat Cynthia cornu

Erwähnte Personen: Gaguin, Robert

Themen: Historisch: Hannibal; Pompeius, Gnaeus; Caesar, Gaius Julius; Augustus, Kaiser des Römischen Reichs; Medici, Lorenzo de’; Marius, Caius; Camillus, Marcus Furius; Manlius Torquatus, Titus; Fabius Maximus, Quintus; Scipionen; Laelius Sapiens, Gaius; Messalla Corvinus, Marcus Valerius; Cincinnatus, Lucius Quinctius; Claudius Marcellus, Marcus; Decius Mus, Publius; Carbo, Gnaeus Papirius; Cato, Marcus Porcius; Curius Dentatus, Marcus; Fabricius Luscinus, Gaius; Atilius Regulus, Marcus; Brutus, Lucius Junius; Brutus, Marcus Junius; Claudius, Kaiser des Römischen Reichs; Pyrrhus; Alexander der Grosse; Nero, Kaiser des Römischen Reichs; Tiberius, Kaiser des Römischen Reichs; Caligula, Kaiser des Römischen Reichs; Sulla, Lucius Cornelius; Domitianus, Kaiser des Römischen Reichs; Phalaris, Tyrann von Agrigent

Themen: Poetisch: Allegorie; Personifikation; Distichon, elegisches; Elegisches Distichon; Loblied

Themen: Literaturhistorisch: Vergilius Maro, Publius ; Maecenas, Gaius Cilnius; Homerus; Lucanus, Marcus Annaeus; Statius, Publius Papinius; Silius, Italicus; Ovidius; Claudianus, Claudius; Aeschylus; Sophocles; Euripides; Pomponius, Lucius; Accius, Lucius; Varius Rufus, Lucius; Pollio, Gaius Asinius; Thespis; Pacuvius; Seneca, Lucius Annaeus, Philosoph; Rabirius, Caius; Lycophron; Germanicus Caesar; Serenus, Samonicus; Apollonius, Rhodius; Antimachus, Colophonius; Pindarus; Horatius Flaccus, Quintus; Stesichorus, Maior; Simonides, Ceus; Alcaeus; Anacreon; Sappho; Ennius, Quintus; Terentius Afer, Publius; Plautus, Titus Maccius; Melissus; Naevius, Gnaeus; Afranius, Lucius; Caecilius, Statius; Menander; Macer, Aemilius; Tibullus, Albius; Catullus, Gaius Valerius; Propertius, Sextus; Gallus, Gaius Cornelius; Callimachus; Philitas, Cous; Aristophanes; Eupolis; Cratinus; Juvenalis, Decimus Junius; Persius Flaccus, Aulus; Lucilius, Gaius; Martialis, Marcus Valerius; Valerius Flaccus, Gaius; Musaeus; Hesiodus; Lucretius; Aratus, Solensis; Linus; Manilius, Marcus; Albinovanus Pedo; Archilochus; Theocritus, Syracusanus; Cicero, Marcus Tullius; Demosthenes ; Petrarca, Francesco; Dante, Alighieri; Divina Commedia; Trionfi; Epistulae familiares; Aeneis; Arruntius Stella, Lucius

Themen: Philosophisch, Theologisch: Aristoteles; Plato; Zeno, Eleates; Democritus; Socrates; Hölle

Themen: Mythologisch: Hippocrene; Jenseits; Parnassus; Nymphen; Pegasus; Musen; Apollo; Python; Amphion; Niobe; Marsyas; Naiaden; Pentheus; Romulus; Lorbeer; Efeu; Bacchus; Theseus; Hercules; Aeneas; Orpheus; Schwan; Castor; Pollux; Elysische Gefilde; Gefilde, elysische; Acheron; Phlegeton; Pluto; Erynnien; Megaera ; Tisiphone; Alecto; Rhadamantus; Aeacus; Minos; Tantalus; Tityos; Ixion; Mezentius; Sciron; Busiris; Diomedes; Styx; Charon; Cerberos; Harpyien; Gorgo; Centauren; Briareus; Luctus; Insania; Metus; Senecta; Dolor; Bellum; Supplicium; Amor (Personifikation); Fames; Infamia; Morbus; Libitina; Mors; Danaiden

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